
Die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) blickte bei ihrer Jahres-Pressekonferenz am Dienstag im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin auf ihre Arbeit im Jahr 2024 zurück und gab einen Überblick über aktuelle Anti-Doping-Themen.
Aktuelle Themen sind vor allem die Veröffentlichung von Sanktionsentscheidungen unter Berücksichtigung des Datenschutzes und die sogenannten Enhanced Games. „Die Veröffentlichung von Sanktionsentscheidungen aus Anti-Doping-Verfahren unter Berücksichtigung des europäischen Datenschutzes ist seit vielen Jahren ein kontrovers und nicht abschließend diskutiertes Thema. Die NADA hat stets sowohl gegenüber den zuständigen Datenschutzbehörden als auch in Pressemitteilungen und Jahres-Pressekonferenzen, bei Anfragen und auch im Rahmen der Evaluation des Anti-Doping-Gesetzes 2021 klar und eindeutig auf die Problematik aufmerksam gemacht“, teilte Dr. Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender und Chefjustitiar der NADA mit: „Die für die NADA zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde sieht keine Rechtsgrundlage zur Veröffentlichung von Sanktionsentscheidungen mit Klarnamen im Internet. Jede aktive, systematische Veröffentlichung mit Namensnennung wäre daher rechtswidrig und kann Haftungs- und Regressansprüche der NADA auslösen. Die NADA informiert aber weiterhin alle zuständigen Stellen zur Umsetzung der Sperren gemäß dem Welt Anti-Doping Code (WADC). Gemeinsam mit anderen Anti-Doping-Organisationen und der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) setzt sich die NADA für rechtssichere, einheitliche Veröffentlichungspraxis ein“, sagte Mortsiefer.
Ein weiteres aktuelles Thema der Anti-Doping-Arbeit sind die sogenannten Enhanced Games, die 2026 in Las Vegas, USA, stattfinden sollen. „Die NADA spricht sich klar gegen die Durchführung und mediale Inszenierung der sogenannten Enhanced Games aus. Sie hält sie für irreführend und grundlegend falsch. Das geplante Veranstaltungsformat, bei dem leistungssteigernde Substanzen und Methoden bewusst erlaubt und beworben werden, setzt falsche Anreize, verharmlost gesundheitliche Risiken und stellt eine ernstzunehmende Herausforderung auch für ein gesellschaftlich getragenes Gesundheitssystem dar. Auch die Wirkung auf junge Athletinnen und Athleten betrachten wir mit großer Sorge – denn die Enhanced Games vermitteln nicht nur falsche Ideale, sondern können auch Vorbilder schaffen, die junge Sportlerinnen und Sportler negativ beeinflussen“, erläuterte Mortsiefer.
Mortsiefer ging während der Pressekonferenz auch auf die öffentliche Wahrnehmung der Anti-Doping-Arbeit im vergangenen Jahr ein: „Eine starke internationale Anti-Doping-Arbeit basiert maßgeblich auf einem einheitlichen und transparenten Handeln aller an der Anti-Doping-Arbeit Beteiligten. Im letzten Jahr hat die Anti-Doping-Arbeit allerdings durch verschiedene Ereignisse massiv an Vertrauen verloren. Es ist dringend geboten, das Vertrauen zurückzugewinnen, deshalb fordern wir gemeinsam mit weiteren Anti-Doping-Organisationen aus allen Kontinenten zum konstruktiven Dialog auf.“
„Eine weltweite Harmonisierung des Regelwerks ist für Fairness und Chancengleichheit im Sport unabdingbar. Die NADA setzt sich für einen starken, unabhängigen Regelungsgeber ein. Diese Forderung bringt die NADA in die aktuelle Überarbeitung des Welt Anti-Doping Codes ein und bezieht Athletinnen und Athleten in diesen Prozess mit ein“, teilte Mortsiefer mit.
Dr. Eva Bunthoff, Vorstandsmitglied und Leitung des Ressorts Doping-Kontroll-System der NADA, erläuterte die zurückliegende NADA-Arbeit im Jahr 2024: „Die Arbeit der NADA war 2024 geprägt von sportlichen Großereignissen. Die präventive Vorbereitung der Olympia- und Paralympics-Teilnehmenden und die Präventionskampagne ‚Heimspiel für Fairness‘ rund um die UEFA EURO 2024 waren Highlights der Präventionsarbeit 2024. Die Aufklärungsarbeit wurde weiter gestärkt, sowohl die verhältnispräventiven Maßnahmen im Rahmen der Netzwerkarbeit als auch die verhaltenspräventiven Maßnahmen wie e-Learning, das Online-Angebot und die Workshops wurden ausgebaut.“
„Die Beteiligung an internationalen Gremien zur Empfehlung von Testprogrammen vor den Olympischen und Paralympischen Spielen, die Umsetzung eines vor-olympischen und vor-paralympischen Testprogramms für die deutschen Sportlerinnen und Sportler sowie die Vor-Ort-Präsenz in Paris waren wichtige Maßnahmen der Kontrolltätigkeit und des internationalen Austauschs 2024. Zudem waren Zusatzanalysen, die Nutzung des Biologischen Athletenpasses und die Überführung von Proben in die Langzeitlagerung fester Bestandteil des Testprogramms 2024“, ergänzte Bunthoff.
„Für das Geschäftsjahr 2024 zieht die NADA ein insgesamt solides Fazit. Die finanzielle Unterstützung durch den Bund, die Länder und den organisierten Sport ermöglichte es, das operative Geschäft planmäßig aufrechtzuerhalten. Damit die Anti-Doping-Arbeit aber auch künftig auf gleichbleibend hohem Niveau fortgeführt und weiterentwickelt werden kann, ist die NADA weiterhin auf eine verlässliche finanzielle Zusicherung ihrer Geldgeber angewiesen. Diese Unterstützung ist nicht nur für die Arbeit der NADA selbst von zentraler Bedeutung, sondern auch für die Arbeit der in Deutschland ansässigen WADA-akkreditierten Anti-Doping-Labore“, führte Mortsiefer aus.
- Übersicht der NADA-Arbeit des letzten Jahres: nada.de/nada/jahresberichte
- Mitschnitt der Jahres-Pressekonferenz 2025 bei YouTube: https://youtu.be/ofd4QKgh2Vk