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NADA-Statement zur ARD-Dokumentation „Schuldig“

Datum: 16.07.2021

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) nimmt zur ARD-Dokumentation „Schuldig - Wie Sportler ungewollt zu Dopern werden können“ wie folgt Stellung:

  1. Sabotageakte und gezielte Manipulationen sind kriminelle Angriffe. Diese Sachverhalte sind nicht nur sportrechtlich, sondern auch strafrechtlich zu verfolgen. Um solche Fälle, die für die betroffenen Athletinnen und Athleten tragisch sind, zügig und umfassend aufzuklären, arbeitet die NADA daher vor allem auch mit staatlichen Ermittlungsstellen zusammen.
     
  2. Im Sportrecht gilt zudem: Ein positives Analyseergebnis führt nicht automatisch zu einer Sperre! Das Prinzip der „Strict Liability“ entbindet Anti-Doping-Organisationen nicht davon, einen vollen Beweis des Dopingverstoßes zu erbringen. 
     
  3. Anti-Doping-Organisationen sind sogar in der Pflicht, einen Verstoß vollumfänglich zu beweisen. Es gibt in den Anti-Doping-Bestimmungen festgelegte Beweisregeln zu Beweislast und Beweismaß. Das Beweismaß für Athletinnen und Athleten ist niedriger als das für die Anti-Doping-Organisationen.
     
  4. Die NADA betrachtet bereits jetzt jeden Dopingfall als Einzelfall. Jeder Fall wird individuell geprüft und bewertet. Die NADA bezieht sämtliche Be- und Entlastungsbeweise, wie medizinische oder analytische Begründungen, im Rahmen der Ermittlungen eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen mit ein. 
     
  5. Vor allem durch gezielte Forschung muss das Dopingkontrollsystem weiterentwickelt werden. Es werden jährlich eine Vielzahl an analytisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekten initiiert. Regelmäßig werden neue Problemstellungen und/oder Lücken erkannt, definiert und Lösungen für die Praxis seitens der NADA aufgenommen. Die beiden WADA-akkreditierten Labore in Köln und Kreischa stellen ihre Forschungsergebnisse in Fachpublikationen vor. Sie informieren zeitnah die WADA und alle weiteren Labore bei Auftreten unerwarteter Problemstellungen.
     
  6. Auf Basis von Forschungsergebnissen wird das Dopingkontrollsystem immer wieder angepasst und mögliche Dopingfallen aufgedeckt:
    • Zum Beispiel im Bereich der Clenbuterol-Thematik in Fleischprodukten aus illegaler Tiermast, oder 
    • die Forschung im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel durch die die NADA umfangreich seit mehreren Jahren entsprechenden Warnungen für Athletinnen und Athleten aussprechen kann.
       
  7. Die NADA wird die Ergebnisse der Studie auswerten und zeitnahe Lösungsansätze erarbeiten. Das bedeutet konkret: 
    • Die NADA wird die bereits vorhandene Dopinganalytik noch stärker darauf fokussieren, Abgrenzungen zwischen der unverschuldeten Aufnahme von Dopingsubstanzen und einem bewussten Gebrauch zu Dopingzwecken im Sport zu definieren.
    • Die Erkenntnisse des Forschungsprojektes werden unmittelbar in die sportrechtlichen Ergebnismanagement- und Disziplinarverfahren eingebracht.
    • Die NADA wird präventiv auf die Erkenntnisse der Studie hinweisen, Handlungsempfehlungen und Hilfestellungen für Athletinnen und Athleten erstellen und diese aktiv kommunizieren.
    • Als weiteren Lösungsansatz schlägt die NADA vor, die Ausrichtung und die Häufigkeit von Dopingkontrollen zu erhöhen. 
    • Hierbei setzt die NADA auf die Effektivität des Dried Blood Spots (www.nada.de/doping-kontroll-system/entwicklung). Durch die regelmäßige Anwendung dieser minimalinvasiven Testmethode, können Athletinnen und Athleten vor Dopingfallen geschützt werden. Die zufällige Aufnahme von Dopingsubstanzen, detektiert in einer Urin- oder Blutprobe, könnte mit den Ergebnissen aus dem Dried Blood Test abgeglichen und so zur aktiven und zeitnahen Entlastung der Athletinnen und Athleten dienen. 
    • Schließlich wird die NADA den Ansatz nicht analytischer Ermittlungen weiter vertiefen. Intelligence&Investigations mit technischer Unterstützung dient der NADA als Grundlage für zusätzliche Beweise, die einen Dopingverstoß im Einzelfall erhärten aber auch entkräften können. 
       
  8. Die WADA als zentraler Regelungsgeber ist aufgefordert, nun unmittelbar Vorgaben zum Umgang mit den Erkenntnissen der Studie und der Auswirkung auf das Dopingkontrollsystem weltweit zu machen. 
     
  9. Die NADA wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles daransetzen, Athletinnen und Athleten vor möglichen Manipulationen und Dopingfallen zu schützen. Sie steht allen Sportlerinnen und Sportlern bei Fragen dazu jederzeit zur Verfügung.