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NADA-Entscheidung: Björn Thurau wegen mehrerer Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen für 9 Jahre und 6 Monate gesperrt

Datum: 23.09.2021

Am 19. August 2021 entschied die die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) im Rahmen des Ergebnismanagement- und Disziplinarverfahrens, dass der ehemalige internationale Spitzenathlet Björn Thurau (Radsport) in einem Zeitraum von 2010 bis 2014 gegen Anti-Doping-Bestimmungen, insbesondere den Anti-Doping-Code des Bund Deutscher Radfahrer e.V. (BDR-ADC), verstoßen hat. Es handelt sich um Verstöße gegen Artikel 2.2 BDR-ADC (Gebrauch oder versuchter Gebrauch verbotener Substanzen und verbotener Methoden), Artikel 2.6 (Besitz verbotener Substanzen oder verbotener Methoden), Artikel 2.7 (Inverkehrbringen oder der Versuch des Inverkehrbringens verbotener Substanzen oder verbotener Methoden) und Artikel 2.8 (Verabreichung oder der Versuch der Verabreichung jeglicher verbotenen Substanzen oder verbotener Methoden) unter anderem durch den Erwerb, Vertrieb und Gebrauch von Dopingmitteln (namentlich TB-500, Substanzklasse 2.3. Wachstumsfaktoren und Wachstumsfaktor-Modulatoren; AICAR, Substanzklasse 4.4. Stoffwechsel-Modulatoren; Substanzklassen gemäß WADA-Verbotsliste) zu Dopingzwecken im (Rad-)Sport.

Auf Grund dieser Verstöße wird der Athlet für neun Jahre und sechs Monate gesperrt. Die Sperre beginnt mit dem Tag der Entscheidung vom 19. August 2021. Die freiwillig anerkannte vorläufige Suspendierung vom 9. März 2021 wird angerechnet.

Alle Wettkampfergebnisse des Athleten, die in dem Zeitraum vom 21. Dezember 2010 (erste Begehung der Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen) bis zum 9. März 2021 (Beginn der freiwillig anerkannten vorläufigen Suspendierung) erzielt wurden, werden mit allen daraus entstehenden Konsequenzen, einschließlich der Aberkennung von Medaillen, Punkten und Preisen, gemäß Artikel 10.10 des BDR-ADC annulliert. Der Athlet darf gemäß Artikel 10.14.1 BDR-ADC während der Sperre in keiner Funktion an Wettkämpfen oder sportlichen Aktivitäten (außer an autorisierten Anti-Doping-Präventions- oder Rehabilitationsprogrammen), die von einem*r Unterzeichner*in, der Mitgliedsorganisation eines*r Unterzeichners*in oder einem Verein oder einer anderen Mitgliedsorganisation der Mitgliedsorganisation eines*r Unterzeichners*in autorisiert oder organisiert werden, oder an Wettkämpfen, die von einer Profiliga oder einem*r internationalen oder nationalen Veranstalter*in autorisiert oder organisiert werden oder an jeglichen, staatlich geförderten Maßnahmen und Veranstaltungen des organisierten Spitzensports in Deutschland teilnehmen. Mit Unterzeichner*in sind diejenigen Einrichtungen gemeint, die den WADC anerkennen und sich zu dessen Umsetzung gemäß Artikel 23 des WADC verpflichten.

Die Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen sind formal als ein einziger erster Verstoß zu werten. Die zu verhängende Sanktion richtet sich nach der Schwere des Verschuldens und berücksichtigt die aktuelle Rechtsprechung des internationalen Sportschiedsgerichts (CAS) in vergleichbaren Sachverhalten.

Gemäß dem seit Januar 2021 gültigen, überarbeiteten Welt Anti-Doping Code (WADC) kann die NADA einen sogenannten Sanktionsbescheid ausstellen. Dieser wird nach dem durch die NADA durchgeführten Ergebnismanagementverfahren erstellt und enthält eine Zusammenfassung aller relevanten Tatbestände sowie die daraus folgenden Konsequenzen für die*den Athleten*in. Die*der Athlet*in hat dann innerhalb einer durch den WADC vorgegebenen Frist die Möglichkeit, die Einleitung eines Disziplinarverfahrens zu verlangen. Verzichtet der*die Athlet*in auf die Einleitung eines Disziplinarverfahrens, endet das gesamte Verfahren mit einer Entscheidung der NADA und der Festlegung der Sanktion. Zu einem Schiedsgerichtsverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht oder dem CAS kommt es nicht mehr. Björn Thurau hat kein Disziplinarverfahren beantragt. Auch hat er kein Rechtsmittel gegen die Entscheidung der NADA eingelegt. 

Die Entscheidung der NADA erging gemäß Artikel 5.3 (b) i. V. m. Artikel 7 SfED (Standard für Ergebnismanagement-/Disziplinarverfahren) und basiert auf dem Sanktionsbescheid der NADA vom 12. Juli 2021.

Die WADA hat grundsätzlich ein Rechtsmittelrecht gegen die Entscheidung der NADA.

Die sportrechtlichen Ermittlungen der NADA und die Festlegung der Sanktion gegen den Athleten resultieren aus der internationalen Zusammenarbeit mit AntiDoping Schweiz sowie den strafrechtlichen Ermittlungsbehörden in der Schweiz und in Deutschland.